Eltern sein – Paar bleiben?

Beziehungen verändern sich, wenn man Eltern wird. Auf alles Mögliche wird man vorbereitet. Nur diese "Kleinigkeit" sagt einem keiner. Offensichtlich ist dieses Thema zu heiß, um es im Vorfeld zu besprechen. Warum nur?

Familie Stand - Cover
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Meistens haben wir sie. Anfangs, wenn wir unser (erstes) Kind bekommen. Eine Beziehung. Ein Feuerwerk oder ein plätschernder Fluss an Abenteuern, Reisen, gemeinsamen Zielen und Hobbys. Wir lieben uns, und als Sahnehäubchen kommt das (Wunsch-) Kind. Wundervoll, denkt man sich. Es kann einfach so schön bleiben, denkt man sich.

Die Realität als Eltern

Anfangs geht es dann logischerweise nur um das Baby. Wir pflegen und versorgen es, machen uns Sorgen. Die weibliche Brust ist nur mehr Futter-Stopp. Und zwischen Baby-Blues, Milchstau und wachen Nächten wird's eng mit der Beziehungszeit. Zwischenmenschliches wird zur Nebensache. Die Frau ist von der Natur begünstigt. Wir haben jede Menge Hormone (die auch genug Ärger machen), die dafür sorgen, dass uns nichts anderes als das Kind und sein Wohl am Herzen liegen. Wir hören jeden Mucks in der Nacht, schlafen meistens am besten, wenn das Kleine neben uns liegt. In unserem Universum gibt es das Baby, und um uns kreist der Partner.

Die Rolle des Partners

Eine befreundete Mama sagte zu mir, ihr Partner habe von Anfang an zu ihr gesagt: "Das erste Jahr gehört euch". Er war vorbereitet, dass es vermutlich nicht so leicht wäre, und er die "zweite Geige" spielt, auch wenn er der erste Mann im Haus ist. Aber vorbereitet sein ist eine Sache. Realität ist die andere. Ich bin mir fast sicher, dass es enorm schwer für ihn war, diese neue Rolle anzuerkennen. Denn es verlangt viel Geduld, Ruhe und Nachsicht, das erste Jahr des Babys als Unterstützer zu verbringen. Dabei ist diese Rolle für die Familie genauso wichtig. Denn der Partner ist derjenige, der der Frau den Rücken freihält. Er sorgt dafür, dass die Einheit zwischen Kind und Mutter geschützt und versorgt ist. Er ist ein wenig wie der Kokon eines Schmetterlings, nur dass er zwei Personen in sich birgt. Das ist der optimale Fall.

Alleinerziehend, wer ist jetzt der "Mann" im Haus?

Mein Bambam ist jetzt zweieinhalb, und ich habe mit seinem Vater in Beziehung gelebt, aber auch alleinerziehend. Daher kenne ich beide Perspektiven sehr gut. Wenn's funktioniert, dann ist es wie zuvor beschrieben. Wenn's nicht so gut ist, dann muss man sehen, ob es für Mutter und Kind sicher ist, in der Beziehung zu bleiben, oder ob es gesünder ist, einen Schnitt zu machen. Die Entscheidung, alleine mit Kind zu sein, macht sich kein Mensch leicht, und jeder, der das annimmt, denkt einfach nicht über den Tellerrand. Eine Trennung ist schwer - mit Baby oder Kleinkind umso schwerer. Plötzlich ist man beides, Mama und Papa zugleich. Zuständig für Sicherheit, Geborgenheit, Schutz, Nähe, Spielzeit, Entwicklungszeit, Trotzanfälle. Die Perspektive einer alleinerziehenden Mutter braucht mehr als einen Absatz. Es beinhaltet ganz andere Herausforderungen als jene, die in einer Paarbeziehung aufkommen. Trotzdem: Die Rollen bleiben. Ich hatte nicht das Bedürfnis, für die Dinge von außen zu sorgen. Ich habe mich mit meinem Kleinen verkapselt und nur das Nötigste geregelt. Wenn jemand alleinerziehend ist, dann muss er auch für zusätzliche Unterstützung von außen sorgen. Man darf und kann von sich nicht verlangen, Mutter und Vater in einer Person zu sein, und ist sich und dem Kind gegenüber verpflichtet, Hilfe von außen zu holen. Sei es von Großeltern oder Freunden. Unterstützung ist wichtig.

Braucht es ein Dorf, um ein Kind großzuziehen?

Es heißt ja, man braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen. In unseren Zeiten stimmt es nicht mehr ganz. Großeltern arbeiten, Tanten und Onkels ziehen weg. Es ist eher so, dass die Freunde das Dorf sind. Die Unterstützung, die früher durch die Familie da war, sind heute Freundschaften. Aber das hat auch Vorteile. Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht. In heutigen Zeiten kommt dem Partner nun eine viel aktivere Rolle zu. Er ist nicht nur die finanzielle Sicherheit, wie es vor wenigen Jahren noch üblich war. Er ist der Liebende, der zum Freund und zum Verbündeten wurde. Er ist im optimalen Fall derjenige, der einem den Rücken stärkt und die Chance erkennt, die nun ein gemeinsames Kind mit sich bringt.

Man kann nun für die Beziehung eine neue Definition finden. Wer glaubt, dass Beziehungen ein bestehendes Konstrukt sind, dass sich nie ändert, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Wir verändern uns stetig und unsere Beziehungen auch. Aber ich habe noch nie etwas derart Großes erlebt wie Mutter zu werden. Diese Veränderung ist so groß, dass wir zwangsläufig auch unsere Beziehung verändern. Es braucht also in diesen Zeiten primär kein Dorf mehr (obwohl es sehr praktisch wäre), sondern einen verlässlichen Partner, der gewillt ist, sich auch zu verändern und - ebenso wie die Frau - seine Bedürfnisse zugunsten des Kindes zurückzustecken.

Wozu die ganzen Veränderungen?

Egal, wie wir es dann schaffen. Unser Preis ist der Beste der Welt, das Lachen des Kindes, sein Wachsen und Gedeihen, all die wundervollen Dinge, die man nun mit ihm erlebt. Und an die Alleinerzieher da draußen: Es gibt vielleicht keinen präsenten Papa oder auch präsente Mama zum Kind (noch nicht), aber es gibt bestimmt Freunde oder Familie. Seid nicht zu stolz, um um Hilfe zu fragen. Ihr sollt jede Unterstützung bekommen, die es gibt auf Erden. Es ist nicht eure Aufgabe, alles alleine zu tragen. Und es ist auch nicht möglich. Lassen wir die Welt dann wieder ein Dorf werden! Für all die wundervollen Kinder, die unsere Gegenwart sind, aber all unsere Zukunft in sich tragen!

 

Katharina Gindra-Vady ist Mutter, Pädagogin, Bloggerin, Model, Moderatorin, ehemalige Flugbegleiterin. Die große Leidenschaft der Steirerin ist das Schreiben.

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