Das große Duell – Kleinkind vs. Einschlafen

Das leise Tapsen von Kinderfüßen auf dem Holzboden: Ja, es ist schon süß. Aber wenn der Nachwuchs einfach nicht schlafen kann, will man es eigentlich nicht hören.

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Foto: aldegonde/iStock/Thinkstock

Wir haben Glück mit unserem Zweijährigen: Im Normalfall braucht er abends keine Ewigkeiten zum Einschlafen und wenn er mal schläft, dann hört man auch bis zum nächsten Morgen nichts mehr von ihm. Entsprechend entspannt blickten meine Frau und ich auch auf den Abend: Ich freute mich auf das Fußballspiel im TV, meine Frau auf ein gutes Buch.

Es beginnt schon mühsam

Das Zu-Bett-Bringen unseres Juniors an diesem Abend gestaltete sich aber von Anfang an etwas mühsam. Normalerweise geht der Kleine so zwischen 19:30 Uhr und 20 Uhr schlafen – und an diesem Abend wälzte er sich in seinem Bett herum, fand keine gute Liegeposition, konnte nicht so recht einschlafen.

Zu heiß? Zu aufgewühlt? Fühlte er sich nicht gut? Schwer zu sagen.

So gegen 20:30 Uhr kommt meine Frau aus dem Kinderzimmer. „Er schläft noch nicht“, sagt sie zu mir, „ich lass ihn mal alleine. Vielleicht kommt er dann zur Ruhe!“ Ich nicke und mache es mir schön langsam vor dem Fernsehgerät gemütlich, sie schnappt sich ihr Buch. Es dauert aber nicht lange, bis wir ihn durch das Vorzimmer gehen hören.

Tapp, tapp, tapp. Die Türe geht auf.

Ich stehe auf, schnappe mir den sichtlich müden, aber ebenso sichtlich wachen jungen Mann und bringe ihn wieder in sein Zimmer. „Schlafenszeit“, sage ich zu ihm in möglichst ruhiger Stimme, lege ihn hin und setze mich neben sein Bett. Ich bleibe ein wenig bei ihm, wie ich es gerne mache, und tatsächlich: Nach ein paar Minuten Wälzerei wird er ruhig.

Vorsichtig schleiche ich aus dem Zimmer.

Als ich mich vor den Fernseher setze, läuft das Spiel schon zehn Minuten. Ein kurzer Blick – Spielstand 0:0, nichts verpasst. Na dann. Jetzt steht einem spannenden Fußball-Abend nichts mehr im Weg. Spannend wird er – aber nicht wegen dem Duell zwischen Real Madrid und Juventus Turin. Denn es dauert nicht lange, bis ...

Tapp, tapp, tapp. Wieder geht die Türe auf.

Ein Kind mit schweren Augenlidern steht da, schon relativ sauer, weil es nicht und nicht einschlafen kann. Ich lege ihn also wieder hin und warte, bis er wieder ruhig ist. Im Hinausschleichen aus seinem Zimmer schalte ich den Luftbefeuchter ein, vielleicht hilft's ja. Voller Hoffnung lasse ich mich wieder vor dem TV nieder.

1:1 steht's auf einmal. Na, das ging ja schnell.

Schnell geht es auch, da steht der Junior wieder da. „Jetzt geh' ich mal mit ihm“, sagt meine Frau. Sie nimmt den Buben an der Hand, hinter ihnen geht die Kinderzimmer-Tür zu, und lange hört man nichts mehr von den beiden. Die erste Halbzeit vom Match endet, die Pause geht auch vorüber, das Spiel läuft wieder. Nach annähernd einer halben Stunde kommt meine Frau wieder aus dem Zimmer heraus. Ihr Blick: Skeptisch. Kurz darauf:

Tapp, tapp, tapp. Junior kann immer noch nicht schlafen.

Jetzt bin ich wieder dran. Diesmal lege ich ihn auf die Matratze, die vor dem Bett liegt. Vielleicht staut sich in seinem Stockbett ja die Luft? Wieder dauert es ein wenig, bis er zur Ruhe kommt und ich mich traue, auf möglichst leisen Sohlen die knarzenden Stellen auf dem Boden zwischen Matratze und Türe zu vermeiden.

3:1 auf einmal. Öha.

Es geht mittlerweile auf 22:15 Uhr zu, und es kommt, wie es kommen muss: Auch über zwei Stunden nach seiner normalen Schlafenszeit will es mit der Nachtruhe nicht funktionieren. Meine Frau legt ihr Buch zu Seite und sagt zu mir: „Weißt was, ich bleib bei ihm liegen und schlafe in seinem Zimmer!“

Das Spiel ist vorbei. Das Schlaf-Drama auch

Am Ende gewinnt Real Madrid mit 4:1 und mit meiner Frau in seinem Zimmer gewinnt der Schlaf nach hartem Kampf auch das Match mit unserem Kleinen – und zwar ziemlich zeitgleich. Es bleibt tatsächlich die restliche Nacht ruhig, er hat es geschafft, endlich. Zumindest bis fünf Uhr früh. Da nämlich stubst ein putzmuteres und bestens gelauntes Kleinkind meine Frau an: Guten Morgen, Mama! Aufstehen!

Eltern kennen das.
 

Weekend-Redakteur Philipp Eitzinger ist mit Herz und Seele Fußball-Fan, Ehemann – und Vater. Und wie es sich für einen wahren Sport-Anhänger gehört, ist der Oberösterreicher auch wenn es um seine Familie geht mittendrin statt nur dabei. Exklusiv für weekend.at schildert er den gleichermaßen erfüllenden wie hektischen elterlichen Alltag zwischen Krabbelstube und Kinderzimmer, Badewanne und Warteraum – heiter bis nachdenklich.

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