Borneos Stadt der Katzen: Geheimes Nomadenparadies

In Kuching ist einfach alles anders. Und schon allein deshalb ist sie klarer Sieger im Vergleich zu Bali.

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Foto: Rafaela Khodai

Ich war jetzt fast einem Monat auf Borneo. Borneo. Der Name der drittgrößten Insel der Welt löst bei den einen Staunen und Neid und bei den anderen ein verwirrtes "Wo genau bitte?" aus. Für die "Wo-genau-bitte"-Kandidaten: Borneo ist die drittgrößte Insel der Welt, liegt im Pazifischen Ozean, gehört teils zu Indonesien, teils zu Malaysia und teils dem kleinen Königreich Brunei. Und ist eine von zwei Inseln auf der Welt, wo es noch wilde Orang-Utans gibt. (Der zweite ist die indonesische Insel Sumatra.) Es war die Aussicht darauf, diese uns so ähnlichen Affen in freier Wildbahn zu sehen, die mein Interesse an Borneo geweckt hat. Aber nach ausführlicher Recherche war ich schon fast bereit, dieses einmalige Erlebnis als "klappt leider doch nicht" abzuschreiben. Denn alle angebotenen Orang-Utan-Sichtungstouren lagen weit über meinem Budget, erforderten lange und komplizierte Anreisen und viel Zeit abseits der Zivilisation.

Die Lösung: Stadtleben in der Natur

Und dann stieß ich bei meiner Recherche auf eine Stadt namens "Kuching" (übersetzt heißt das "Katze"). Hauptstadt des malaysischen Teils von Borneo. Verfügt über die günstigste Co-Working-Space Asiens. Nahe eines Orang-Utan-Reservats. Niedrige Lebenshaltungskosten. Kein Visum nötig. Und das beste: Flugtickets von Kuala Lumpur nach Kuching kosten gerade mal schlappe 20 Euro! Bevor ich die ganzen Infos noch richtig verarbeiten konnte, hatte ich dieses sagenhaft billige Ticket schon gebucht. Sprung in den Dschungel sozusagen! Es war die erste große Entscheidung in meinem Nomadenleben, die ich ohne vorherige wochenlange Evaluierung getroffen habe – und mittlerweile kann ich im Brustton der Überzeugung sagen: Es war auch die beste!

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Foto: Rafaela Khodai

Kuching vs. Bali: Klarer Sieger

Es gibt Momente, Orte und Phasen im Leben, in denen einfach alles zusammenpasst und funktioniert. Und Kuching ist eine dieser Phasen für mich. Nicht ganz unschuldig daran ist vermutlich mein absolutes Nicht-Begeistert-sein vom angeblichen Digitale-Nomaden-Paradies Bali. Ich konnte es ehrlich gesagt gar nicht erwarten, von dort wegzukommen. Zu teuer, zu touristisch, ein sinnlos kompliziertes Straßensystem, ständige Staus und eine Taxi-Mafia, die arglose Passagiere aufs Unverschämteste abzockt, waren nur einige meiner Beschwerden.

Doch in Kuching ist einfach alles anders: Die wenigen anderen Reisenden, die ich getroffen habe, sind umweltbewusst, zurückhaltend und – offen gestanden – so viel weniger arrogant als die hochnäsige "Nomaden-Elite" auf Bali. Ich konnte ungestört am Bazar entlangschlendern, ohne auf Schritt und Tritt von "Sarong, Miss?" und "You want massage, Miss?" verfolgt zu werden. Einheimische allen Alters sprechen akzentfrei Englisch, das Essen ist ebenso köstlich wie abwechslungsreich (vom besten Fried Rice Asiens über Sushi und britische High-Tea-Sets bis zu knusprigen Bagels gibt es einfach alles) und für meinen Platz in der Coworking-Space zahle ich in der Woche weniger, als die in Bali am Tag gekostet hätte!

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Foto: Rafaela Khodai

Orang-Utans gesehen: Traum erfüllt

Die atemberaubende Natur Borneos fängt direkt vor der Stadt an. Wilde Dschungel, atemberaubende Höhlen und Postkartenstrände sind allesamt in einer halben Stunde zu erreichen. Und der Mix aus Tradition und Moderne, aus Aberglaube und Technologie, aus touristisch und charmant-kleinstädtisch macht Kuching zu einer der außergewöhnlichsten und lebenswertesten Städte, die ich je gesehen habe.

Dass ich schlussendlich noch im nahen Semenggoh-Reservat tatsächlich wilde Orang-Utans gesehen habe, war dann nur noch die "Cherry on Top" meines Borneo-Aufenthalts.

 

Weekend-Bloggerin Rafaela Khodai ist als freie Journalistin und Autorin tätig. Ihre große Leidenschaft ist das Schreiben, ihre Lieblingsdestination Südostasien. Ihre Reise-Eindrücke und -Erlebnisse hält sie in ihren Beiträgen fest.

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