Hügel, bis ich HALT sage - ein Ausflug nach Porto

Es gibt Schlimmeres als knapp nach Ende des Sommers zu einem Meeting nach Porto gerufen zu werden. Sollen die Sommertage in die Verlängerung gehen, nimmt man gern einen unverschämt teuren Flug mit zweimal Umsteigen in Kauf. Wir packen also die Koffer.

Porto1.jpg
Portos Gassen sind eng und mörderisch steil Foto: Carmen Bischof

Porto liegt ganz am Rande Europas und ist schwer zu erreichen. Bis man aus Göteborg oder Wien über diverse Zwischenstopps an internationalen Flughäfen endlich in Porto ankommt, sieht man aus, als wäre man unterwegs rückwärts durch eine Hecke gekrochen.

Porto5.JPG
Portos Gassen sind eng und mörderisch steil Foto: Carmen Bischof

Der Flughafen von Porto ist einem gewissen Francisco Sa Carneiro gewidmet. Der klingt wie ein Heiliger, war aber ein Politiker. Sinnigerweise ist er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Dennoch benennen die furchtlosen Portugiesen ausgerechnet einen Flughafen nach ihm. Wie unerschrocken dieses kleine Land am letzten Zipfel Europas dem Leben entgegentritt, sollen wir in den nächsten Tagen noch erfahren.

Die Strapazen der Anreise sind nämlich nichts gegen die Strapazen auf Portos Straßen. Die Kombination aus Kopfsteinpflaster und steilem Gefälle ist ebenso Gift für Nachziehtrolleys wie für den Nachziehenden selbst. In dem Gewirr aus kleinen Innenstadtgässchen suche ich nach dem Hotel. Nachdem ich drei Runden absolviert habe, bleibe ich atemlos stehen und stemme die Hände ins Kreuz. Wenn es nicht mörderisch steil bergauf geht, geht es mörderisch steil bergab.

Gut, dass es wenigstens mit der Sommerverlängerung nichts geworden ist. Wenn es bei all dem Auf und Ab auch noch heiß wäre, dann käme man ganz schön ins Schwitzen. Statt sommerlicher Wärme herrschen in Porto nämlich frostige Temperaturen, dem Atlantik sei Dank.

Ein alter Portugiese nickt mir zu und deutet auf das Haus hinter mir. Er sagt etwas auf Portugiesisch. Die Sprache klingt ungefähr so, als würde man Spanisch bei maximaler Hitze in einer Bratpfanne frittieren. Ich drehe mich um und verstehe. Hier öffnet sich eine weitere enge Gasse, die ich bisher übersehen habe. Nur wenige Höhenmeter weiter lockt schon das Hotelschild.

"Obrigado", keuche ich. Das heißt "danke" und ist erwiesenermaßen das einzige portugiesische Wort ohne Zwischlaut.

Die Gassen Portos sind so schmal, dass man sich besser überlegt, wie sehr man der einfachen, aber schmackhaften Küche zusprechen möchte. Die Autofahrer der Stadt stört das nicht, sie fahren überall. Im kleinsten Durchlass, wo du dich vor Verkehr sicher wähnst, hörst du plötzlich einen Motor hinter dir und drückst dich ganz flach an die Wand, um nicht vom nächsten Seat Ibiza zermalmt zu werden.

Munter wird bergauf und bergab gebraust, was die kleinen Autos hergeben. Bergauf mit Handbremse wegfahren gilt in ostösterreichischen Fahrschulen noch immer als besonders schwierig. In Porto lernt man das vermutlich in der allerersten Stunde, sonst rollt das Lehrfahrzeug ins Nirwana.

Man gewöhnt sich dran. In Meeting-Pausen machen wir Spaziergänge und achten immer brav auf Motorengeräusche – auch in hüftbreiten Gassen.

Porto4.JPG
Portos Gassen sind eng und mörderisch steil Foto: Carmen Bischof
In drei Tagen sehen wir keinen einzigen Radfahrer ...

 

Carmen Bischof ist gebürtige Murauerin ("die Stadt mit dem besten Bier", betont sie!), beruflich und privat gerne auf Reisen, beruflich in Sachen Vertriebssteuerung für die Senzor Industries AB aus Schweden unterwegs und privat auf der Suche nach schönen Orten, gutem Bier und lässigen Aktivitäten.

Alle Blog-Beiträge von Carmen Bischof

Mehr zum Thema:

Kommentare 0