Abreise aus der Heimat, Ankunft in der Fremde

Nachdem der ganze Papierkram erledigt war, und ich meine Familie gefunden hatte, hieß es nur noch warten. Die Abreise sollte im Herbst stattfinden, bis dahin hatte ich noch massig Zeit, meine mehr als sieben Sachen zu packen und mich auch emotional auf das Ereignis vorzubereiten.

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Foto: Lisa Krempl

Für viele mag es vielleicht einfach klingen, doch für mich bedeuteten diese sechs Monate das erste Mal auf mich allein gestellt zu sein, zum ersten Mal länger als zehn Tage weg von zu Hause zu sein. Desto näher der Tag der Abreise rückte, desto nervöser und hibbeliger wurde ich. Ich versuchte in den letzten Tagen noch so viel Zeit wie möglich mit meinen Liebsten zu Hause zu verbringen, noch so viel "Bekanntes" und "Vertrautes" wie möglich aufzusaugen.

Und dann war es soweit. Der Tag der Abreise. Ich hatte ein ziemlich großes Abschiedskomitee zum Flughafen mitgebracht, und dementsprechend viele Tränen liefen ... an dieser Stelle ein aufrichtiges "Tut mir Leid" an meinen Flugzeug Sitznachbar – ich hab nicht wegen dir wie ein kleines Häufchen Elend vor mich hin geschluchzt, allerdings hätte ich eine Umarmung besser als diese anklagenden Seitenblicke vertragen.

Schließlich traf ich einigermaßen ruhig am Flughafen in London ein. Mein Gastvater M. erwartete mich bereits, und so wurde mein Gepäck schnell verstaut, und wir traten die Fahrt an. Entspannt war ich ja nicht gerade. Das lag aber vor allem an dem "falsche Seite der Straße"-Gefahre. Doch oh wunder, ich kam heil und munter an. Da meine Gastfamilie gerade ein entspanntes Wochenende auf der Farm der Schwiegereltern verbrachte, konnte ich mein neues zu Hause noch nicht gleich besichtigen. Also genoss auch ich vorerst mal das britische Landleben und hatte nebenbei genug Zeit, all die neuen Menschen in meinem Leben kennenzulernen. Auch die kleinen Zwillinge I. und A. Wurden mir vorgestellt, und ich schloss die gerade mal ein Jahr alten Kinder gleich in mein Herz.

Das "Willkommenswochende" war vollgepackt mit Familienessen, Drinks im Salon einnehmen und Käse mit Olive zu verspeisen. Alles wurde sehr vornehm gehandhabt, selbst die Servietten lagen schön brav auf dem Schoß. Kaum zu glauben aber doch: Ein sehr britischer und sehr feiner und schicker und etwas älterer Herr brachte meinen Gasteltern doch tatsächlich Silberbesteck als Mitbringsel zum Familienessen mit! Sie haben sich übrigens, wie es sich gehört, sehr darüber gefreut.

Am Montagmorgen brachen wir dann endlich nach London auf. Meine Gastmutter C. spielte die perfekte Reiseführerin, zeigte mal hierhin mal dahin, und so verging die Fahrt selbst mit den Kleinen am Rücksitz recht angenehm. (Lässt man außer Acht, dass eine der Zwillinge sich zu Beginn der zweistündigen Fahrt übergeben, und die andere sich aus ihrem Sitz befreit hat und im Auto herumgeklettert ist wie ein kleiner Affe.) Dann endlich endlich kamen wir in dem kleinen aber feinen viktorianischen Haus an. In der Nachbarschaft, in der wir wohnen, ist es superleicht zu finden. Den anders als die anderen Häuser, oh, nein warte, es sieht genau wie alle anderen aus. Das "sich einleben" konnte beginnen. Ich verstaute meine Koffer, packte alles in Schränke und versuchte mich schließlich in die strenge Routine meiner Gastmutter einzufinden.

Nun steht dem Au Pair-Dasein nichts mehr im Wege. Ich hoffe, ihr seid genauso gespannt wie ich, ob es wirklich so wird, wie ich es mir vorgestellt habe, und ob London mich immer noch verzaubert.

 

Weekend-Bloggerin Lisa Krempl liebt es, den Globus zu erkunden und ihre Eindrücke und Erlebnisse schriftlich festzuhalten. Als Au Pair lässt die frisch gebackene Maturantin ihre Leser auf weekend.at an ihrem Alltag teilhaben.

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