Der ganz normale Wahnsinn - AuPair-Sein hautnah

In diesem etwas anderen Blog nehme ich euch mit in einen meiner Tage als AuPair. Sicher habt ihr euch schon gefragt, was ich den ganzen Tag mache, was meine Aufgaben sind und so weiter. Nun ich denke, dieser Blog wird einige Fragen beantworten. Jeder Tag ist anders, aber in etwa so könnte er ablaufen:

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Foto: Lisa Krempl

Der Wecker klingelt, es ist 8.15 Uhr ... Der Wecker klingelt ein weiteres Mal, es ist 8.20 Uhr. Langsam aber doch wache ich auf, schlage die Bettdecke zurück und schwinge mich mehr oder weniger ausgeschlafen aus dem Bett. Nach meiner Morgenroutine begebe ich mich "downstairs" in die Küche, wo meine Schützlinge I. und A. bereits voll im Gange sind und das Spielzimmer alias Küche alias Esszimmer unsicher machen. Meine Gastmutter C. sitzt zwischen ihnen und versucht den Trubel unter Kontrolle zu halten.

Erst mal eine Tasse Kaffee und eine Schale Müsli, dann komme ich endlich so richtig in Schwung. Darauf hat meine Gastmutter gewartet. Kaum verschwinden Besteck und Teller in der Spüle, springt sie auf. "Lisa, pass' doch kurz auf die Kleinen auf". Aber sicher, deswegen bin ich doch da. Ich setze mich auf die Spieldecke und muss erst einmal I. beruhigen, die sofort zu weinen anfängt, als sie die Abwesenheit ihrer Mutter bemerkt. Oder meine Anwesenheit ... wer weiß das schon. Gemeinsam lesen wir ein Buch, das hilft immer.

Um kurz vor 10 Uhr kommt dann meine Gastmutter wieder ins Zimmer geeilt. Ein Mutter-Tochter-Tochter-Spaziergang steht an. Ich helfe, die Kleinen in ihre dicken Winterjacken zu zwängen, in denen sie wie Inuit aussehen. Mit ihren Wollhauben ist der Look dann perfekt. Wir verfrachten sie in den Zwillingsbuggy, der kaum durch das Vorhaus passt. "See you later", ruft meine Gastmutter noch, bevor sie aus der Tür rauscht. Nun hab' ich das Haus für mich allein. Ich atme durch und mache mir erst mal noch eine Tasse Tee, bevor ich mich um ein paar kleine Dinge im Haushalt kümmere wie Wäsche-Zusammenlegen und schließlich nochmal die Füße hochlegen kann.

Um 11.30 klingelt es an der Tür. Ich eile vier Stockwerke abwärts. Es ist meine Gastmutter, die wieder einmal ihren Schlüssel vergessen hat. Jetzt muss es schnell gehen. In Windeseile werden I. und A. zuerst aus dem Buggy und dann aus den Jacken befreit, bevor das Mittagessen vorbereitet werden muss. Plötzlich erfüllt ein beißender Geruch die Küche. Volle Windel. Ausgerechnet jetzt. Meine Gastmutter übernimmt das ganz aufopferungsbereit, und ich bin tatsächlich ziemlich dankbar.

Das Mittagessen, das darauf folgt, gleicht einem Ritterfest. Nur leider sind I. und A. noch keine vornehmen Hofdamen ... sie sind die Ritter. A. steckt erst mal ihre gesamte Hand in den Brei und benutzt ihn offenbar als Haarmaske. Ihre Löckchen sind wirklich 1A, vielleicht sollte ich das auch mal ausprobieren. I. hat offenbar gerade beschlossen, ihre Burg zu verteidigen und beginnt, Besteck und Geschirr als Wurfgeschosse zu verwenden.

Nach einer Stunde habe ich es dann geschafft. Das Essen ist vertilgt, und die Zwillinge sind wieder mehr oder weniger sauber. Nun steht das Mittagsschläfchen an, auf das sich C. und ich immer mehr freuen als I. und A. Routinemäßig werden Windeln gewechselt, die Babys bettfertig gemacht, Vorhänge zu - und auf Zehenspitzen raus aus dem Zimmer, in dem die beiden nach den Geräuschen nach zu urteilen noch eine kleine Plauderrunde veranstalten.

Mittagspause. Für die nächsten zwei bis drei Stunden muss ich mich um nichts weiter als um mich selbst kümmern, was ich dann auch meistens mit einem selbstgekochtem Mittagessen oder einem Gang zum Fitnessstudio tue. Ab 15.30 Uhr heißt es dann Ohren spitzen. Jeden Moment könnten die Zwillinge beschließen aufzuwachen. Doch heute hab ich Glück. Um 16.20 Uhr höre ich, wie meine Gastmutter einen Stock unter mir ins Kinderzimmer geht und die Babys aufweckt. Ich schließe mich ihr an, und gemeinsam machen wir die zwei wieder spielfertig. Windelwechseln, wieder anziehen. A. mag ihre Strumpfhose nicht besonders und beginnt mit den Füßen zu zappeln. Doch mittlerweile bin ich schon Profi, und selbst unter dem wildesten Herumgezappel schaffe ich es, ihr die Strumpfhose über den Po zu ziehen und auch die restlichen Kleidungsstücke da zu platzieren, wo sie hingehören.

Nun ist noch eine kleine Spielrunde vor dem Abendessen angesagt, welches ich vorzubereiten beginne, während C. die Kleinen mit Tiergeräusch unterhält und sie davon abhält, sich kopfüber vom Sofa zu stürzen. Rührei, Toast mit Marmelade, Joghurts, eine Mandarine - all das lege ich sorgfältig auf den Tisch, bevor die Raubtierfütterung wieder beginnt. Ach es ist doch immer wieder ein beeindruckendes Spektakel, wenn dir Rührei um die Ohren fliegt und Joghurt herumgespuckt wird.

Am Ende schaffen sie aber dennoch, auch etwas von dem Essen in den Mund zu bekommen, sodass C. schließlich zufrieden aufgibt und mir den Abwasch überlässt. Routinemäßig schrubbe ich alles sauber und gehe dann hinauf ins Badezimmer, wo gleich der letzte große Akt des Tages stattfindet. Das Baden. Mit dem Baden ist es immer so eine fifty-fifty-Sache. Entweder quietschen A. und I. vor Freude und plantschen so wild, dass das Bad und alle darin tropfnass sind, oder sie schreien wie am Spieß, bis sich jemand erbarmt sie wieder rauszuholen ... nach nicht mal zwei Minuten. Heute ist ein guter Tag . Beide spielen friedlich, und ich bin ziemlich froh darüber, denn ehrlich gesagt bin ich lieber tropfnass als taub.

Die Zwillinge werden in ihre niedlichen Bären-Pyjamas gesteckt und nuckeln die nächste halbe Stunde an ihren Fläschchen, während es noch Gute-Nacht-Geschichten gibt oder ein letztes Mal herumgetollt wird. Um 19.00 Uhr ist dann Schlafenszeit, und im Haus kehrt Ruhe ein. Ich mache mich noch ans Aufräumen der Spielwiese und staubsauge den Wohnbereich. Dann ist mein Arbeitstag auch schon wieder vorbei, und ich freue mich auf eine heiße Dusche und das Skypen mit meinen Liebsten zu Hause.

Nun, so oder so ähnlich laufen meine Wochentage als AuPair ab. Ich denke, ich habe viel Glück, dass meine Schützlinge noch so klein sind, denn so bleibt mir doch relativ viel Freizeit, vor allem, wenn sie ihr Mittagsschläfchen halten. Auf der anderen Seite kann es aber schwierig sein, denn da sie noch nicht reden, ist es oft schwer zu verstehen, was sie wollen oder warum sie weinen. Trotzdem habe ich sie liebgewonnen, und auch mit meinen Aufgaben bin ich sehr zufrieden.

Ich hoffe, ich konnte euch so einmal mein AuPair-Leben näher bringen!

 

Weekend-Bloggerin Lisa Krempl liebt es, den Globus zu erkunden und ihre Eindrücke und Erlebnisse schriftlich festzuhalten. Als Au Pair lässt die frisch gebackene Maturantin ihre Leser auf weekend.at an ihrem Alltag teilhaben.

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