Atomic Blonde - Frauenpower in Berlin

Im Jahr 2015 wurde der Comic “The Coldest City” veröffentlicht. Schon zuvor wurde er an verschiedene Produktionsfirmen geschickt. So zog die Geschichte die Aufmerksamkeit von Charlize Theron auf sich. Sie sprang als Produzentin ein und schaffte es, David Leitch vom Projekt "John Wick Chapter 2" abzuziehen und für die Verfilmung zu überzeugen.

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Foto: Universal Pictures

Der Film entführt den Zuseher in eine schwierige Zeit - Berlin im Jahre 1989. Die Stadt ist nach wie vor gespalten und in Aufruhr. Die großen Revolutionen im Osten sind in vollem Gange, und David Hasselhoff ist bereits in der Stadt, um die Mauer in Grund und Boden zu singen. All dies ist aber nur die Kulisse für den Spionage-Thriller.

Spionagechaos

Mitten im zerrütteten Berlin wird der englische MI6 Agent James Gasciogne von einem KGB-Agenten erschossen. Er befand sich im Besitz einer wichtigen Geheimliste, auf der sich die Namen und verdeckten Identitäten aller bekannten Spione befinden. Die Briten entsenden ihre Geheimagentin Lorraine, um den bereits vor Ort befindlichen Agenten Eric auf der Suche nach der Liste zu unterstützen. Zudem erhält sie eine separate Mission: Sie soll einen gefährlichen Doppelagenten aufdecken. In Berlin angekommen bemerkt sie schnell, dass nicht nur die Krone hinter der Liste her ist. Auch französische Agenten fanden ihren Weg in die deutsche Hauptstadt, um dort mitzumischen.

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Foto: Universal Pictures

Agenten auf der Suche nach der einen allwissenden Liste sind wirklich nichts Neues, auch Doppelagenten sind ein stark ausgeschlachtetes Thema. Insofern gibt es wirklich wenig Innovation bei Handlung, auch an spannenden Wendungen mangelt es. Der Fokus des Films liegt eindeutig auf der Szenerie als auch Action.

Gute Darsteller, sensationelle Darstellerinnen

Bei der Besetzung schert Atomic Blonde dann aber das erste Mal aus. James McAvoy gibt den zwielichtigen Agenten Eric und Legende John Goodman repräsentiert im Alleingang die geballte Macht der CIA. Mit Til Schweiger gibt es auch einen bekannten deutschen Gastauftritt. Auch wenn alle Darsteller eine gute Arbeit abliefern, glänzen vor allem die Darstellerinen. Charlize Theron spielt die erfahrene und eiskalte Agentin Lorraine, flankiert von Sophie Boutella, die die unerfahrene französische Agentin Delphine Lassalle darstellt.

Trotz der starken Besetzung und der interessanten Darstellung fehlt es dennoch häufig an Emotionen. Alle Rollen sind letztlich Spione, deren Arbeitsalltag offensichtlich nur sehr wenig Raum für Gefühle lässt. Einblicke hinter die eiskalte Fassade gibt es leider nicht.

Viel Action und nackte Haut

Trotz der historischen Kulisse in Berlin und der Einordnung als Spionage-Thriller darf sich der Zuseher hier nicht zu viel erwarten. Zwar gibt sich die Produktion durch die Integration vieler Requisiten - von deutschen Schildern bis hin zu unzähligen Trabis - sehr Mühe, dennoch ist die Handlung zeitlich nicht eingeordnet und bezieht sich nie auf die Geschichte. Der Film könnte so auch in jedem beliebigen anderen Umfeld stattfinden. Der Soundtrack ist voll von Hits der damaligen Zeit, so dürfen wir zu Nenas "99 Luftballons" lauschen, während - zum Takt passend geschnitten - Punks zusammengeschlagen werden. Stichwort Schnitt: Die Kampfszenen, die größtenteils ohne Waffen ausgetragen werden, sind absolut beeindruckend. In der Regel handelt es sich dabei um mehrere Minuten lange Kamerafahrten und One-Takes über mehrere Ebenen.

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Foto: Universal Pictures

Leider nutzt der Film die Vorzüge von Charlize Theron und Sophia Boutella nicht nur in Sachen schauspielerisches Talent. Ohne Frage, beide Darstellerinnen sind zwei absolut ansehnliche Frauen, dennoch wäre der Film auch mit deutlich weniger nackter Haut ebenso gut, wenn nicht sogar besser gewesen. Auch die Sexszenen tragen weitestgehend nichts zur Handlung bei und sollen offensichtlich nur Fan-Service für männliche Zuseher sein.

John Wicks große Schwester

Dass Charlize Theron zur Umsetzung des Films Personal von John Wick abgeworben hat, wird bereits nach einigen Minuten deutlich. Trotz eines interessanten Hintergrunds und einer erstklassigen Besetzung ist "Atomic Blonde" nicht viel mehr als ein Action-Film, bei dem die Kämpfe im Vordergrund stehen. Dennoch ist der Film erstklassig produziert und kann über zwei Stunden gut unterhalten, sofern man über die fehlende Spionage-Story und die geschichtliche Einordnung hinwegsehen kann.

 

Weekend-Blogger Jan Gruber ist Blogger und Podcaster aus Leidenschaft. Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt er sich aus diesem Hobby heraus viel mit Technik und Medien aller Art. Dennoch ist er kein Couchpotatoe, seine Freizeit genießt er beim Sport in der Natur. Für seinen Blog sieht er sich die neuesten Kino-Streifen an.

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