Alibi.com: Viel Amour und noch mehr Humor

Lügen sind oft ein zentrales Thema in Hollywoods Liebeskomödien. Auch Alibi.com bedient sich dieses Themas, der Film stammt jedoch nicht aus der Traumfabrik. Nach den beiden Teilen von "Babysitting" liefert der französische Drehbuchautor Philippe Lacheau damit seinen dritten Film ab.

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Foto: Universal Pictures

Passend dazu wurde der Film auch in Frankreich produziert. Der Zuschauer bekommt so einige schöne Drehorte aus dem Land der Liebe präsentiert und wird Zeuge zweier komplizierter Beziehungen. Dabei stehen sowohl das Chaos aber auch viel Humor im Vordergrund.

Die perfekte Start-up-Idee?

Grégory hat die perfekte Idee für sein neues Unternehmen: Er organisiert Alibis für seine Kunden. Dabei handelt es sich nicht nur um Ausreden fürs Fremdgehen, das Unternehmen bietet auch Ausreden für den Fußballabend mit Freunden oder schafft freie Zeit für die Ausübung von Hobbys. Grégory selbst ist ein gebranntes Kind. Seine Eltern ließen sich früh scheiden, nachdem eine Affäre aufgedeckt wurde. Dementsprechend liefert er nun die perfekten Ausreden und meint, sich selbst nicht verlieben zu können. Alles ändert sich, als Flo in sein Leben tritt und er sich über beide Ohren verliebt. Mit den lieben Schwiegereltern gibt es allerdings ein Problem: Flos Vater Gérard ist einer seiner Kunden und hat aktuell noch einen Auftrag offen. Er möchte mit seiner jungen Geliebten Cynthia ein romantisches Wochenende in Cannes verbringen.

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Foto: Universal Pictures

Verschenktes Potential

Der Film greift viele moderne und gesellschaftskritische Themen auf. Auf der einen Seite gibt es immer wieder Anspielungen auf die Affäre des ehemaligen französischen Präsidenten François Hollande, auf der anderen Seite viele Bezüge zu dem Beruf des "It-Girls" oder "YouTube-Stars". Beide Themen werden aber nur angeschnitten und nicht weiter bearbeitet. Hier verschenkt der Film einiges an Potential, würde dadurch aber auch deutlich weniger Klamauk bieten. Insofern ist die Entscheidung des Autors für mich nachvollziehbar, dennoch hätte ein bisschen mehr Moral oder Gesellschaftskritik aus meiner Sicht nicht geschadet. Derartige Produktionen erheben ohnedies immer etwas den moralischen Zeigefinger, im Sinne von "Du sollst nicht lügen" - eine zweite, subtilere und weniger häufig strapazierte Aussage würde etwas Abwechslung bieten.

Alles in Personalunion

Phillipe Lacheau übernimmt einige Aufgaben in dieser Produktion. Er ist der Regisseur, Drehbuchautor und spielt obendrein die Hauptrolle Grégory. Dennoch scheint er sich gut auf seine Aufgaben konzentrieren zu können, die Mehrfachbelastung hat keine negativen Auswirkungen auf der Leinwand. Grégorys Freundin wird von Élodie Fontan gespielt, die Eltern von Didier Bourdon und Nathalie Baye. Grégorys charmanten Kollegen borgen Julien Arruti und Tarek Boudali ihr Gesicht. Die junge, erfolglose YouTuberin Cynthia wird von Nawell Madani gespielt. Allesamt keine besonders bekannten Darsteller, auch nicht aus dem französischen Kino, dennoch leistet sich keiner nennenswerte Schwächen. Viele der Schauspieler arbeiteten bereits bei den Babysitting-Filmen zusammen, die Chemie zwischen den Darstellern ist gut und wird auch für den Zuschauer so spürbar. Besonders in der Beziehung zwischen Flo und Grégory ist dies sehr wichtig - eine der wenigen Liebesfilme, in denen ich den Darstellern ihr Glück auch abnehme.

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Foto: Universal Pictures

Nicht nur Hollywood kann Kino

Die Produktion besaß mit 7,7 Millionen Euro ein vergleichsweise kleines Budget, dieses wurde aber nach kurzer Zeit sofort wieder eingespielt. Trotz der schmalen Finanzmittel ist die technische Umsetzung größtenteils gelungen und liefert sich wenige Patzer. Natürlich - es ist kein CGI-Feuerwerk in sensationellem 3D. Die Qualität ist für dieses Genre aber mehr als ausreichend.

Vielschichtiger Humor

In Sachen Humor zieht der Film alle Register und versucht unterschiedliche Niveaus zu bedienen. Witze über Klischees und Randgruppen sind genauso Pflicht wie über Männer und Frauen. Hinzu kommt noch eine gehörige Portion Humor im Zusammenhang mit Tieren und leider auch die eine oder andere sehr untergriffige Szene. Letztere tragen wenig zur Handlung bei und hätten zu Gunsten der Kindertauglichkeit gerne auch ausgespart werden können. Richtige Brüller gibt es eigentlich nicht, dennoch kann der Zuschauer über 90 Minuten immer wieder gut schmunzeln.

Liebesfilm auf französisch

Die Lüge als eigentlicher Hauptdarsteller eines Liebesfilms ist grundsätzlich nichts Neues, Alibi.com hat aber zwei interessante Dinge zu bieten. Einerseits ist der französische Ursprung äußerst charmant und die neuen, unverbrauchten Gesichter sind eine wohltuende Abwechslung zu den sonst ewigen Hollywood-Schablonen. Andererseits sind auch einige Anspielungen auf aktuelle, echtweltliche Ereignisse sehr amüsant, wenngleich diese leider sonst ungenutzt bleiben. Alibi.com ist nicht der nächste große Blockbuster, aber eine romantische Komödie mit einigen Schmunzlern, die fast für die ganze Familie geeignet sein sollte. 

 

Weekend-Blogger Jan Gruber ist Blogger und Podcaster aus Leidenschaft. Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt er sich aus diesem Hobby heraus viel mit Technik und Medien aller Art. Dennoch ist er kein Couchpotatoe, seine Freizeit genießt er beim Sport in der Natur. Für seinen Blog sieht er sich die neuesten Kino-Streifen an.

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