Nicht mehr böse sein: Ich verzeih dir

Gekränkt, enttäuscht, verletzt: Fühlen wir uns von unseren Liebsten hintergangen, ist es oft schwer, Ihnen zu verzeihen. Es wichtig, sich von negativen Gefühlen zu befreien, sonst wird man ewig von ihnen gequält.

Entschuldigung Verzeihung Sorry
Alles wieder gut! Auch Verzeihen will gelernt sein Foto: skaran/iStock/Thinkstock

Haben Sie schon einmal den Satz gehört "Das werde ich dir nie verzeihen!", oder ist er ihnen sogar selbst schon einmal über die Lippen gekommen? Hoffentlich haben Sie ihn rechtzeitig zurückgenommen. Denn er ist eine der größten Bestrafungen, die man laut aussprechen kann. Nicht nur für den Empfänger, sondern auch für den Vermittler der Botschaft. 

Stark sein

Viele von uns glauben, dass Verzeihen ein Zeichen von Schwäche ist. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Es erfordert viel Kraft, bereit zu sein, mit erlittenem Unrecht abzuschließen. Natürlich heißt Verzeihen nicht, dass man das Verhalten des anderen gutheißt. Es bedeutet aber, emotionalen Abstand zu gewinnen, sich von dem Schmerz zu distanzieren und loszulassen. 

Frauenproblem

Oft bestimmen inneres Leiden, Grübeln, Feindseligkeit, Wut, Trauer und Rachegelüste den Alltag, weil man das Bedürfnis hat, zu verstehen, warum man verletzt wurde, aber nur unzureichende Antworten findet. Studien aus der Schweiz und Italien zeigen, dass sich Frauen dabei prinzipiell schwerer tun als Männer. Jene, die sich allerdings intensiv bemühen, das Geschehene zu verzeihen, haben bessere Chancen. Denn Vergeben ist eine bewusste Entscheidung, ein Prozess, den man nur selbst beeinflussen kann. 

Erleichterung spüren

Forscher unterscheiden zwischen entscheidungsbasierter und emotionsbasierter Vergebung. Nach der bewussten Entscheidung schwächen die Rachegefühle langsam ab, der Verursacher des Leidens wird irgendwann weniger intensiv,  gemieden oder aktiv aufgesucht. Gelingt es, dem anderen mit Wohlwollen gegenüberzutreten, hat sich das entscheidungsbasierte Vergeben in ein emotionsbasiertes gewandelt. Sie werden sich erleichtert fühlen, wenn Sie sagen: Ich verzeihe dir! 

Verzeihen in 5 Schritten: 

1. Schreiben Sie auf, was sie verletzt hat und warum. Dann überlegen Sie sich warum Sie verzeihen möchten, z.B. "Ich will mit dem Schmerz abschließen." Sie dürfen weinen, schreien, wütend sein. Denn Psychologen sind sich einig: Das Suhlen im Problem mit dazugehörigen Emotionen wie Wut, Eifersucht, Trauer hilft anfangs. 

2. Haben Sie sich abreagiert, versuchen Sie, sich in die andere Person hineinzuversetzen. Lösen Sie sich aus der Opferrolle. Vielleicht gab es Gründe, warum sie so gehandelt hat - und Sie verstehen die Situation besser als zuvor. 

3. Machen Sie sich bewusst, dass die Vergangenheit nicht zu ändern ist. Treffen Sie die Entscheidung, dass Sie verzeihen möchten, denn das Verzeihen befreit vor allem Sie selbst.

4. Egal, wie seltsam es klingt: Suchen Sie sich ein Mantra, und tragen Sie es sich täglich laut vor. Zusätzlich kann ein Ritual helfen. Haben Sie aufgeschrieben, was Sie verletzt hat, können Sie den Zettel vernichten. Verbrennen Sie ihn symbolisch oder werfen Sie ihn schlicht und einfach in den Mülleimer. Mit dieser Handlung entfernen Sie sich emotional jedes Mal ein Stück mehr von der Tat. 

5. Nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie brauchen, ohne Druck. Fühlen Sie sich bereit dazu, dann sagen Sie der Person, dass Sie ihr vergeben, oder sprechen Sie es nur für sich selbst laut aus.