Partnersuche: Auf der Pirsch nach dem Richtigen

In Zeiten von Tinder, WhatsApp & Facebook beschäftigt uns eine Frage besonders: Ist es überhaupt noch möglich, jemanden offline kennenzulernen? Und falls ja: wo, wann und wie funktioniert´s?

Kuss Frau Herz Liebe
Der Traumpartner fürs Leben - wo steckt er bloß? Foto: g-stockstudio/iStock/Thinkstock

Wir geben es zu: Das Herumwischen auf Tinder und das lockere Flirten auf zahlreichen Online-Dating-Portalen hat uns anfangs wirklich Spaß gemacht. Aber irgendwann wird es fad: Immer wieder dieselben Nachrichten, dieselben Hoffnungen, dieselben Ausreden und im Endeffekt dieselben Enttäuschungen. Entweder ist kein richtiges Treffen herausgesprungen, weil sich der große, muskulöse, intelligente Manager im Nachhinein als bierbauchige und arbeitslose Mogelpackung erwiesen hat, oder man schaffte es einfach nicht, die geschriebene Konversation vom oberflächlichen "Und was tust du grad so?"-Niveau zu heben und sich tiefgehend kennenzulernen. Mittlerweile sind viele von uns sogar so weit, sich wieder - Oh, du meine Güte! - dem klassischen Dating, umgangssprachlich auch "Aufriss" genannt, zu widmen. Aber: Wie macht man das heutzutage überhaupt noch? 

Die besten Aufriss-Orte

Die schlechte Nachricht gleich mal vorweg: Den perfekten Ort mit Garantie zum Kennenlernen eines "Jackpots" gibt es nicht. Allerdings belegen verschiedene Studien, dass sich zwei Drittel aller Paare im direkten sozialen Umfeld kennenlernen, wo sie sich eine Weile beobachten und so herausfinden können, ob es überhaupt passen würde. Genauer gesagt handelt es sich dabei meist um den Freundeskreis, in dem sich jedes dritte Paar verliebt, oder um Arbeit, Schule und Ausbildung (22%). Aber auch Begegnungen in Discos und Bars (16%) haben gute Chancen, sich später einmal zur fixen Beziehung zu entwickeln. Und was ist mit der gängigen Behauptung, dass sich alle elf Minuten jemand über "Parship" verliebt? Was sind das für Umfragen, die zu derartigen Zahlen führen? Sieht man sich die Auftraggeber an, erscheint plötzlich vieles klarer: So behauptet eine britische Studie im Auftrag eines Online-Kontaktportals, dass sich im Jahr 2031 bereits 50% aller Paare online kennenlernen werden. Eine Studie der Ticketseite "Eventbrite" spricht hingegen von mickrigen vier Prozent. 

Jede Chance nutzen

Wir vertrauen der Wissenschaft in dieser Hinsicht also nicht ganz und haben eine Single-Beraterin um Rat gefragt: "Ich denke, es ist am besten, beide Bereiche zu nutzen. Mehr Gelegenheiten ergeben mehr Chancen", ist diese überzeugt und gibt gleich einen Tipp für all jene, die den Versuch offline wagen möchten: "Schauen Sie sich Veranstaltungstipps an und überlegen Sie, wo die Zielperson hingehen würde. Dann einfach selbst dort sein, Augen auf und ein Lächeln im Gesicht." 

Aufpassen, Männer!

Speziell für die Männerwelt hat die Single-Expertin sogar ein Zwei-Phasen-Konzept in petto, wie das Flirten am besten gelingt. Weil sich viele Frauen im ersten Moment erschrecken, wenn die Ansprache zu direkt auf Flirt hindeutet und deshalb aus Scheu abblocken, wird ganz diskret ein "Minigespräch" eingeleitet. Das beginnt beispielsweise mit Fragen wie "Gute Musik, oder?", "Weißt du zufällig wo der Vortrag stattfindet / die Cafeteria liegt / der Zug hält?" "In den meisten Situationen hat man Zeit, sich wieder zurückzuziehen, dem Gegenüber kurz Raum zu geben und später wieder aufzutauchen. Dann beginnt die Phase zwei", erklärt sie. In dieser soll an die erste Konversation ganz locker angeknüpft werden: "Unser kleines Gespräch war so sympathisch, da wollte ich einfach fragen, ob du Lust hast, dass wir noch einen Kaffee zusammen trinken?" Jetzt liegt die Entscheidung bei der Dame. Und wenn man(n) Glück hat, fällt diese positiv aus. 

Mein armes Ego 

Immer wieder passiert es allerdings, dass das Gegenüber von einem angehenden Date nicht so begeistert ist wie man selbst. Je öfter das geschieht, desto mehr hat man mit den Zurückweisungen zu kämpfen. Weil aber ein wenig Mut und selbstsicheres Auftreten wichtige Voraussetzungen sind, um andere authentisch anzusprechen, sollte man sein Ego nach Niederlagen wieder aufbauen. "Das Risiko ist immer die Ablehnung, die die meisten scheuen und deshalb lieber nichts tun", weiß auch die Single-Expertin nur zu gut. Ihr Tipp: Weiter machen und mit einer Strichliste beginnen. Nach zehn oder mehr angesprochenen Personen errechnet man sich seine Erfolgsquote. "Haben sechs ablehnend reagiert, bei dreien ist nichts weiter gegangen und ein Kontakt war nett, dann weiß ich: Ich brauche nur wieder zehn Personen für einen positiven Kontakt ansprechen. Es ist wirklich die geringe Zahl an Übungsbeispielen, die jemanden gerade am Anfang schnell wieder aufgeben lässt." Den Frauen rät die Expertin zudem, sich öfter mal aus dem Freundinnenkreis loszureißen, sich beispielsweise alleine ein Getränk an der Bar zu holen oder auf die Toilette zu verschwinden. Denn für viele Männer ist es eine große Überwindung, die Verehrte im Umkreis ihrer "Crew" anzusprechen. 

Hilfe vom Profi

Zum Schluss gibt es natürlich auch noch eine gute Nachricht: Hoffnungslose Fälle existieren für die Expertin nicht. Den meisten Singles fehlen einfach nur die Gelegenheiten. Beim Coaching wird deshalb eine typgerechte To-do-Liste erstellt, oder an bestimmten Glaubenssätzen wie "Ich bin nicht hübsch / cool genug" gearbeitet, an denen man festhält, obwohl sie nicht stimmen. Die Expertin macht uns Mut: "Ich bin überzeugt, dass es für jeden mit Sehnsucht nach Liebe ein passendes Gegenüber gibt. Ich habe schon Menschen mit ganz schlechten Chancen oder außergewöhnlichen Wünschen verliebt gesehen - man muss oft nur selbst auch etwas dafür tun, dass Amors Pfeil treffen kann."