Marktplatz der Herzen: Nimm mich!

Fast 1,7 Mio. Österreicher loggen sich regelmäßig in Partnerbörsen ein. Wie geht man bei der Suche nach Mr. und Mrs. Right im virtuellen Raum vor? Und kann man seine Persönlichkeit überhaupt in einem Online-Profil darstellen?

Liebespaar Familie
Für viele der Traum schlechthin: ein Leben zu zweit Foto: teksomolika/iStock/Thinkstock

Wer einen Urlaub bucht, weiß in etwa, wohin die Reise gehen soll: ans Meer oder in die Berge, in exotische Gefilde oder vertrautes Gelände, für ein paar Tage oder einige Wochen. Dagegen sind sich viele Singles, die im Internet auf Partnerpirsch gehen, wesentlich unklarer über ihre Ziele. "Daten Sie sich zunächst selbst", rät Autor Christian Schuldt daher in seinem Buch "Romantik 2.0. Vom Suchen und Finden der Liebe im Internet." 

Eine(r) für alle 

Fragen, die man ehrlich beantworten sollte: Welche Form von Beziehung will ich wirklich? Welche Eigenschaften sollte mein Partner dafür mitbringen? Auch die Wiener Pädagogin Bettina Lusk geht in ihrem Coaching für Partnersuchende  ("FOBS-Methode") zunächst gemeinsam mit ihrem Klienten diesen grundsätzlichen Fragen auf den Grund - um so die Rolle klarer zu umreißen, die da eigentlich zu besetzen ist. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen nicht dazu, im Internet möglichst viele potenzielle Partner anzulocken, sondern den oder die Richtige. Die Pädagogin: "Ein weit verbreitetes Problem beim Erstellen des Profils: es sehr breit gefächert zu halten, um niemanden auszuschließen." Sie rät, die Profil-Fragen (wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus, worauf möchten Sie nicht verzichten etc.) "Aus der Intuition heraus" auszufüllen. Und: "Humor wirkt entspannt und bodenständig." Auch die eine oder andere Schwäche anzusprechen, ist durchaus erlaubt, denn Nobody is perfect. Eher abschreckend: "Profile, aus denen eine große Bedürftigkeit spricht." Etwa so: "Nach vielen Jahren der Einsamkeit sehne ich mich nach ..." Oder auch: "Von Frauen wurde ich bisher nur enttäuscht." Auch Torschlusspanik ist alles andere als attraktiv. "Bist DU der Vater meines Kindes?" im Profil einer 43-Jährigen kann Fluchtreflexe auslösen. 

Wie in der Werbung 

Bei den Fragen nach Interessen und Alltagsgestaltung ist es verlockend, sich interessanter zu machen als man ist. Doch Vorsicht: Der Grad zur Selbstbeweihräucherung ist ein schmaler. Christian Schuldt: "Verstellen Sie sich nicht. Spielen Sie keine aufgesetzte Rolle, die später ohnehin entlarvt würde." Wenn Ihr Lieblingsplatz das Sofa vor dem Fernseher ist, sollten Sie sich also nicht allzu unternehmungslustig darstellen. Es ist ja auch gar nicht gesagt, dass ein häuslicher Schmusekater schlechter ankommt als ein Partytiger. "Besonders erfolgreiche Eigen-Zuschreibungen sind solche, die dem Idealbild der Werbung entsprechen", hat Bettina Lusk beobachtet. "Gut aussehend, tugendhaft und ideale Körpermaße - in Wirklichkeit realitätsfremd." 

Tummelplatz der Singles

Laut Schätzungen setzten Online-Partnerbörsen 2016 um die 19 Millionen Euro allein in Österreich um. Monatlich loggen sich um die 700.000 Menschen bei Parship, elite.Partner, Friend-Scout24 und Co. ein, weitere 380.000 erfreuen sich am "Adult Dating" bei Anbietern wie Secret oder C-Date. Während es bei diesen Plattformen ausdrücklich um Abenteuer geht, sollten sich in Partnerbörsen eigentlich ausschließlich ungebundene, bindungswillige Singles tummeln. 

Dem Gefühl trauen

Dem ist erfahrungsgemäß nicht immer so. Bei geschätzten 25 Prozent der Nutzer handelt es sich um (häufig männliche) "Interessenten, die eigentlich noch in Beziehungen leben." Wie erkenne ich solche "Fakes"? Die Pädagogin: "Aus meiner Praxis weiß ich, dass das Gefühl,"da stimmt etwas nicht" mit sehr großer Wahrscheinlichkeit das Richtige ist. Leider verlassen sich viele nicht auf dieses Gefühl." Bettina Lusk warnt: "Menschen, die dreimal täglich Nachrichten oder E-Mails schicken, sind nicht nett, sondern üben Druck aus - häufig ein Zeichen von mangelndem Selbstwert." Auch diese Formulierung lässt bei der Expertin die Alarmglocken läuten: "´Suche Frau (oder Mann), um die schönen Stunden des Lebens zu teilen. Was soll das genau heißen?"

Realitäts-Check

Autor Schuldt und Coach Lusk sind sich daher einig: nicht lange mit dem Austausch von mail- oder sms-Nachrichten aufhalten, sondern möglichst bald den Menschen hinter dem Profil treffen. Die FOBS-Trainerin: "Dann heißt es: genau hinhören, was der andere erzählt und bei Ungereimtheiten nicht weghören, sondern nachfragen." Da das Rendezvous aber nicht zu einem Verhör ausarten soll, gibt Christian Schuldt den Rat, "offen zu bleiben und Vertrauensvorschuss zu geben. Misstrauen ist ein natürlicher Flirtkiller."