Liebe @ Work: Wenn Amors Pfeil im Job trifft

Vor rund zehn Jahren hieß es noch, dass sich lediglich jeder Zehnte am ­Arbeitsplatz verliebt. Heute beginnt schon jede dritte Beziehung zwischen Schreibtisch, Kopierer und Konferenzraum. Was macht uns im Job so sexy?

Liebe Flirt Arbeitsplatz
Fluch oder Segen? Wenn sich zwei am Arbeitsplatz verlieben Foto: MachineHeadz/iStock/Thinkstock

"Ich habe bereits drei Jahre lang im Unternehmen gearbeitet. Doch dann kam der Abend, der alles veränderte“, erzählt Claudia R., 26. "Die Firmenweihnachtsfeier. Ich landete zusammen mit meinem Chef im Hotel­zimmer! Das Schlimmste für mich: Am Montag danach ins Büro zu gehen und nicht zu wissen, wie ich reagieren soll." Was nach einer Telenovela aus dem Fernsehen klingt, passiert tatsächlich ­immer öfter in der Realität. An Ihrem Arbeitsplatz nicht? Vielleicht bekommen Sie nur nicht mit, was in Ihrem Büro zu später Stunde alles vor sich geht! Laut Studien soll sich jede/r Dritte schon in eine/n Kollege/-in verliebt ­haben. Warum aber setzt uns Amor so häufig im Büro die rosarote Brille auf die Nase?

Nächtliche Überstunden

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Unser Berufsleben verlangt heutzutage viel Flexibilität. Abendtermine, Dienstreisen und Projektarbeiten am Wochenende sind in vielen Jobs keine Seltenheit. Mit niemanden verbringt man so viel Zeit wie mit den Kollegen, die Grenzen zwischen Privatleben und Job verschwimmen. Man steht den Mitarbeitern nahe, lernt sie gut kennen – und auch lieben. Während in Japan Unternehmen aktiv versuchen, ihre Mitarbeiter zu verkuppeln, werden Liebesbeziehungen in etlichen amerikanischen Firmen sogar vertraglich verboten. In Österreich ist die Liebe am Arbeitsplatz ein rechtsfreier Raum – und bietet deshalb viele Möglichkeiten. Prominente Beispiele gibt es immerhin genug: ­Bundeskanzler Christian Kern und seine Frau Eveline Steinberger-Kern lernten sich in ihrer gemeinsamen Zeit beim Verbund kennen, der ehemalige US-Präsident Barack ­Obama verliebte sich in seine Frau Michelle während eines Praktikums und Bill Gates lief seiner Melinda in den ­Microsoft-Firmengebäuden über den Weg.

No risk, no fun

Auch Daniel L., 36, bereut es nicht, die ­Beziehung mit seiner Arbeitskollegin eingegangen zu sein. Er weiß allerdings auch, dass es Nachteile hat: "Es fällt manchmal schwer, im Büro zu sitzen, wenn man durch die Anwesenheit der Partnerin an schönere Dinge erinnert wird, die man anstellen könnte." Schwierig ist es auch, eine solche Beziehung vor den Arbeitskollegen zu verheimlichen, weshalb er es vielen gleich gebeichtet hat: "Diejenigen, die es wissen, haben sich sehr für uns gefreut und positiv reagiert." Wäre es anders gekommen, hätte es Daniel aber genauso locker genommen: "Man kann sich ja nicht aussuchen, in wen man sich verliebt."

Regeln für die Liebe am Arbeitsplatz

  • Wenn sich etwas Ernstes entwickelt, machen Sie es offiziell. Informieren Sie kurz und sachlich Ihren Chef und machen Sie ihm klar, dass die Beziehung keine Auswirkungen auf Ihre Arbeitsleistung hat.
  • Verbringen Sie Ihre Mittagspause auch mit anderen Kollegen, um weiterhin als unabhängige Person wahrgenommen zu werden.
  • Ein paar Tage Schmollen nach einem heftigen Streit ist in der Arbeit unprofessionell. Lassen Sie Ihre Privatsphäre zu Hause.
  • Küssen, Kosenamen oder Umarmungen sind zwischen Meetingraum und Drucker ein ­absolutes No-Go, da es andere Kollegen in Verlegenheit bringen könnte.