Gegensätze ziehen sich an: Liebe abseits der Norm

Er liebt ihr jugendliches Erscheinungsbild, sie will nur sein Geld: Klischees über Beziehungen zwischen sehr unterschiedlichen Partnern gibt es viele. Doch manchmal sind Gegensätze genau das, was wir brauchen.

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Junge Frau, deutlich älterer Partner: Kann das gutgehen? Foto: RonTech2000/iStock/Thinkstock

Als Cathy Luger ihren um 57 Jahre älteren Mann heiratete, sorgte das weltweit für Furore. In Deutschland, Italien und Amerika - ja, sogar in Südamerika konnte man in den Zeitungen darüber lesen - überall stand dieselbe Frage im Raum. Sie: jung, blond und großbusig. Er: alt, berühmt und wohlhabend. Wie kann so etwas funktionieren? 

Wusst ich's doch 

All jene die schon damals an dieser Beziehung ihre Zweifel hatten, konnten sich letztlich vor dem Fernseher selbstgefällig auf die Schulter klopfen. Denn durch den Auftritt von Cathy bei "Promi Big Brother" bekamen es sogar jene Nachzügler mit, die sich bisher der "lugnerischen" Doku-Soap auf RTL II erfolgreich verweigert hatten: In der Ehe von Richard "Mörtel" und Cathy Luger kriselte es gewaltig - bis es letztendlich zur Scheidung kam. Kein Wunder, meinen Sie? Was sagen Experten dazu? Es sei durchaus möglich, dass man sich von gewissen Eigenschaften des anderen angezogen fühlt, die einem selbst fehlen. Schüchterne Menschen sind oft von jemanden fasziniert, der eloquent ist. Für eine gute Beziehung bedarf es aber immer der richtigen Balance von Gleich- und Anders-Sein. Zu viel des Gleichen führt zu Langeweile, zu viel des Differenten zu Unverständnis. Sind die Unterschiede zu groß, wird die Beziehung zu anstrengend, da man sich über das Gegensätzliche dauernd auseinandersetzt, bestätigen Experten. 

Gegensätze überwinden

Grundsätzlich leiden Paare mit unterschiedlicher Bildung, hohem Altersunterschied und anderem kulturellen Background unter "höherer Störanfälligkeit", so der gängige Fachausdruck. Dennoch gibt es auch viele Paare, die damit gut zurechtkommen. Ihr Geheimnis: Vorhandener Respekt und hoher Selbstwert. Fühlen sich beide wohl in ihrer Haut, stehen zu dem, was sie tun und stehen auch hinter ihrem Partner, stehen die Chancen gut. Hinzu kommen besondere Eigenschaften, die die fehlenden Aspekte ausgleichen müssen sowie ein hoher Bedarf an sorgsamer Kommunikation. Mangelnde Bildung müsse etwa durch andere menschliche Eigenschaften kompensiert sein, die dem Partner wichtig sind, sind Experten überzeugt. Ihr Tipp: Über die verschiedenen Lebenswelten laufend präventiv sprechen und nach kreativen Lösungen suchen, die für beide passen. Zudem sollte man damit rechnen, seine eigenen Vor- und Einstellungen, wenn nötig, für den Partner auch ändern zu müssen. 

Ein Blick sagt alles 

Oft sind es aber gar nicht innere Werte, mit denen die ungleichen Paare zu kämpfen haben. Es sind Äußerlichkeiten, die der Umgebung auffallen: dick und dünn, groß und klein, alt und jung, hübsch und unattraktiv. Warum uns diese Paare sofort ins Auge stechen, hat einen banalen Grund: Ungleiche Paare sind auch heute noch mehr die Ausnahme als die Regel. Sogar in Hollywood, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, stechen jene Pärchen heraus, in denen die Frau einen Kopf größer ist als der Mann, und es gibt einen lauten Aufschrei, wenn die schwedische Prinzessin einen gewöhnlichen Fitnesstrainer heiratet. 

Schluss mit Starren 

Obwohl sich Experten darüber einig sind, dass man vom Äußeren nicht auf den Charakter schließen kann, leiden Paare, die auf den ersten Blick zu verschieden wirken, häufig unter dem Argwohn der anderen. Um die Liebe aufrecht zu erhalten, muss viel ertragen werden. Aber warum finden es viele von uns sogar im 21. Jahrhundert noch nötig, dass der Mann größer ist als die Anvertraute? Die Antwort liefert die Tiefenpsychologie: Größere Männer wollen sich überlegen und Frauen beschützt fühlen. Kleine Männer hingegen fühlen sich oft durch das Aufschauen zu großen Frauen verunsichert. Wahrscheinlich aber können wir uns schwer damit abfinden, dass die "bessere Hälfte" auch anders sein kann. Vermutlich weil es in der Natur des Menschen liegt, dass er sich von allem, was gegen die Norm verstößt, provoziert fühlt. 

Das sagt die Wissenschaft

Natürlich setzten sich bisher auch etliche Studien mit dem Thema auseinander. Das skurrile Ergebnis eines Forscherteams an der University of Liverpool: Je schöner die Frau, desto eher ist's aus. So hielten Beziehungen von Paaren, in denen die Frau deutlich besser aussah als der Mann, weniger lang als bei jenen, in denen der Mann hübscher war bzw. beide ähnlich attraktiv waren. Randal Olson von der Michigan State University fand hingegen heraus, dass von allen Versuchsgruppen jene Paare mit dem geringsten Altersunterschied am glücklichsten waren. So bedeuten zehn Jahre Unterschied ein 39 Prozent höheres Trennungsrisiko, bei 20 Jahren sind es bereits 95 Prozent.