Eifersucht: Krankhafter Kontrollzwang trifft auf Besitzdenkenden

Im Frühling, wenn die Menschen aus dem Winterschlaf erwachen und die Kleidung wieder knapper wird, hat ein besonderes Gefühl Hochsaison: die Eifersucht.

Eifersucht Frau
Krankhafte Eifersucht isoliert Foto: Zametalov/iStock/Thinkstock

Eigentlich läuft es ja ganz gut zwischen Sandra und Patrick. Wenn da nicht dieses leichte Misstrauen im Raum schweben würde. Macht er abends wirklich Überstunden? Hat sie da etwa ein blondes Haar auf seinem Pullover entdeckt, das nicht von ihr stammt? Und kann sie nicht auch einen Hauch von einem fremden Damenparfüm an seiner Kleidung wahrnehmen? Oder sollte alles nur reine Einbildung sein?

In ständiger Angst 

Eifersucht ist in rund 80 Prozent aller Liebesbeziehungen ein Thema. Nicht immer steckt jedoch ein begründeter Verdacht dahinter. "Hinter der Eifersucht verbergen sich meist große Selbstzweifel oder ein großes Besitzdenken bzw. die Einstellung unbedingt die Liebe und Aufmerksamkeit des Partners oder die anderer Menschen zu benötigen. Betroffene sind sich ihrer nicht sicher und leben in einer beständigen Angst, nicht gut genug zu sein bzw. etwas nicht zu bekommen, was für sie wichtig ist", beschreibt Psychotherapeut Rolf Merkle, Autor des Buchs "Eifersucht: Woher sie kommt und wie wir sie überwinden können", die Ursachen für dieses irrationale Verhalten. 

Aus früheren Zeiten 

Auch die eigene Vorgeschichte spielt eine Rolle im Beziehungsverhalten: "Kinder werden z.B. geprägt von der Trennung ihrer Eltern. Auch sind Personen, die bereits von ihren PartnerInnen betrogen wurden, auf Eifersuchtsgefühle sensibilisiert", erklärt Andreas Schub, Leiter der Allgemeinen psychologischen Familienberatung (APF) Graz. Eifersüchtige Menschen reagieren auf viele Dinge übertrieben negativ und malen sich stets die düstersten Szenarien aus - was im schlimmsten Fall zum Ende der Beziehung führen kann, wenn sich der Partner zu Unrecht beschuldigt fühlt. "Je mehr wir unsere Beziehung brauchen, um glücklich zu sein, desto anfälliger sind wir auch für Eifersucht. Es hat sich auch gezeigt, dass wir ebenso eifersüchtiger sind, je besitzergreifender und abhängiger wir sind", weiß Silvia Macher, Universitätsprofessorin am Grazer Institut für Psychologie. 

Schwarzmalerei 

Ist man erst einmal im Teufelskreis der Eifersucht gefangen, findet man nur schwer einen Ausweg: Der Partner beginnt zum Beispiel, ein harmloses Gespräch als Affäre zu interpretieren und eine Bestellung im Café als Anmache aufzufassen. "Malen wir uns das Schlimmste aus, obwohl keine Tatsache für unsere Befürchtungen sprechen, ist das Ergebnis höchst irrational. Eifersüchtigen Personen ist aber zumeist nicht bewusst, dass ihre Gedanken irrational sind; für sie werden ihre Vorstellungen zur Realität und können extreme emotionale Reaktionen auslösen", warnt Silvia Macher. Wie extrem, zeigen zahlreiche Zeitungsartikel: Immer wieder kommt es zu blutigen Eifersuchtsdramen, die mitunter sogar tödlich enden. 

Gefährliches Stalking 

Markus Schwaiger, Eigentümer des Wiener Detektivunternehmens MSI, berichtet: "Seit rund zwei bis drei Jahren häufen sich bei uns die Stalking-Anfragen. In 90 Prozent der Fälle steckt hier ein Ex-Lover oder ein abgewiesener Verehrer dahinter, der sich Rachegelüsten hingibt." Dabei gäbe es aber gravierende Geschlechterunterschiede: "Während Frauen mit Tausenden von Anrufen und SMS stalken, reagieren Männer weitaus brutaler, z.B. mit Sachbeschädigung." So sei vor Kurzem eine Klientin zu ihm gekommen, deren Auto bereits mehrmals demoliert worden war. Der mutmaßliche Täter: ihr Exmann. In ähnlichen Fällen habe es mit Superkleber verstopfte Schlüssellöcher oder ähnliche Ausschreitungen gegeben. 

Die erregende Seite 

Doch so sehr dieses Verhalten auch ausarten kann - nicht jeder Anflug von Eifersucht muss sofort als dramatische Reaktion gesehen werden: "Es gibt Untersuchungen die zeigen, dass Eifersucht nicht nur mit negativen Emotionen wie Ärger oder Angst einhergehen muss. Mitunter fühlen sich eifersüchtige Personen auch angenehm erregt oder lebendig", so Silvia Macher. Erst wenn die Eifersucht negative Begleiterscheinungen wie Stress oder sogar psychosomatische Symptome hervorruft, sollte am Verhalten gearbeitet werden. 

Schlecht für beide 

Den ist ein Partner eifersüchtig, leiden beide Seiten darunter: Während der eine mit ständigen Verlustängsten zu kämpfen hat, fühlt sich der andere kontrolliert und eingesperrt. Der falsche Weg sei es, dem Partner den Umgang mit anderen zu verbieten oder Drohungen auszusprechen, meint Silvia Macher. "Der erste Schritt als Betroffener ist vielmehr, sich klarzumachen, dass man sich selbst durch seine Gedanken eifersüchtig macht. Der zweite Schritt besteht darin, sein Selbstwertgefühl zu stärken, d.h. sich seiner Vorzüge und positiven Seiten bewusst zu werden. Solange ich mich selbst für nicht liebenswert halte, werde ich immer an der Liebe eines anderen zweifeln", so Psychotherapeut Rolf Merkle. Sollte die Eifersuchtsgefühle auch nach der Beziehung noch andauern, so ist mitunter auch psychologische Hilfe sinnvoll, um in einer neuen Beziehung glücklich zu werden.